UX/UI-Audit: bietet deine Webseite wirklich eine gute Erfahrung?

Eine Webseite kann optisch gepflegt und trotzdem schwer zu bedienen sein.
Sie kann ein modernes Design, hochwertige Bilder und interessante Animationen haben, aber nicht klar vermitteln, was sie anbietet, wo man Informationen findet oder welche Aktion man ausführen soll.
Hier kommt das UX/UI-Design ins Spiel. UX, User Experience, betrifft die Art, wie eine Person eine Webseite erlebt und nutzt. UI, User Interface, betrifft dagegen die Elemente, über die sie mit ihr interagiert: Layout, Typografie, Farben, Buttons, Menüs, Komponenten und Benutzeroberfläche.
Ein UX/UI-Audit dient dazu, diese Elemente als Ganzes zu betrachten und herauszufinden, was die Nutzererfahrung erleichtert oder erschwert.
Warum ein UX/UI-Audit machen?
Es ist nicht immer leicht zu verstehen, warum eine Webseite nicht die erwarteten Ergebnisse erzielt. Das Problem könnte eine wenig intuitive Navigation, eine verwirrende visuelle Hierarchie, ein unauffälliger Call-to-Action oder einfach ein zu komplizierter Weg sein.
Oft kennt zudem, wer täglich an der eigenen Webseite arbeitet, diese so gut, dass die Schwierigkeiten nicht mehr auffallen, auf die eine Person stösst, die sie zum ersten Mal besucht.
Ein Audit erlaubt es, die Webseite mit einem externen, strukturierten Blick zu betrachten. Das Ziel ist zu verstehen, wie leicht sich die Webseite nutzen lässt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, unabhängig davon, ob das Design gefällt.
1. Der erste Eindruck: versteht die Besucherin sofort, wo sie sich befindet?
Wenn jemand auf einer Seite landet, muss er sich schnell orientieren können. Sofort verständlich sein sollte:
- was die Webseite anbietet;
- worum es auf der Seite geht;
- welche die wichtigsten Informationen sind;
- welche Aktion man ausführen kann;
- wo man weitere Informationen findet.
Das hängt von der visuellen Hierarchie ab. Titel, Untertitel, Absätze, Bilder, Buttons und Leerräume müssen zusammenwirken, um den Blick zu lenken.
Wenn alle Elemente dieselbe visuelle Wichtigkeit haben, muss sich die Besucherin stärker anstrengen, um zu verstehen, wo sie anfangen soll. Ein gutes Design reduziert diesen Aufwand dagegen.
2. Navigation: ist es einfach, Informationen zu finden?
Eine der wichtigsten Eigenschaften einer wirksamen Webseite ist die Vorhersehbarkeit. Die Besucherin sollte sich nicht ständig fragen müssen:
Wo muss ich klicken?
Wo finde ich diese Information?
Wie komme ich zur vorherigen Seite zurück?
Die Navigation muss konsistent und leicht verständlich sein. Bei einem UX/UI-Audit ist es deshalb wichtig, die Menüstruktur, die Bezeichnung der Bereiche, die Verknüpfungen zwischen den Seiten und die Wege zu den wichtigsten Informationen zu betrachten.
Je weniger die Besucherin «raten» muss, desto besser die Erfahrung.
3. Typografie und Lesbarkeit
Der Text ist eines der wichtigsten Elemente jeder Webseite. Trotzdem wird die Lesbarkeit oft erst am Ende des Designprozesses berücksichtigt.
Schriftgrösse, Schriftgewicht, Zeilenabstand, Zeilenlänge, Abstände und Kontrast können die Wahrnehmung eines Inhalts komplett verändern.
Ein zu kleiner oder zu kompakter Text kann vom Lesen abhalten. Eine unklare typografische Hierarchie kann es schwer machen, Titel, Nebeninformationen und Hauptinhalte zu unterscheiden.
Die Typografie muss deshalb nicht nur zur visuellen Identität der Marke passen: Sie muss auch das Verständnis erleichtern.
4. Farben und Kontrast
Farbe kann Aufmerksamkeit erzeugen, Hierarchien schaffen und Bedeutungen vermitteln. Sie muss aber mit Überlegung eingesetzt werden.
Ein zu geringer Kontrast kann Texte und Interface-Komponenten schwer lesbar machen. Ein übermässiger Einsatz von Farben kann dagegen die Hierarchie der Seite unklarer machen.
Bei einem UX/UI-Audit ist es deshalb wichtig zu prüfen, dass Farbe nicht das einzige Mittel ist, um eine Information zu vermitteln, und dass die Inhalte lesbar und verständlich bleiben.
Das Design muss auch funktionieren, wenn die Besucherin nicht alle Farbunterschiede perfekt wahrnimmt.
5. Call-to-Action: weiss die Besucherin, was zu tun ist?
Jede Webseite hat unterschiedliche Ziele. Sie will vielleicht Kontaktanfragen generieren, Produkte verkaufen, Buchungen erhalten, eine Ressource zum Download anbieten oder einfach Informationen liefern. In allen diesen Fällen ist es wichtig, dass die Hauptaktion leicht erkennbar ist.
Ein wirksamer Call-to-Action muss sein:
- sichtbar;
- verständlich;
- passend zum Inhalt der Seite;
- leicht erreichbar;
- von sekundären Elementen unterscheidbar.
Das bedeutet nicht, jede Seite mit Buttons zu füllen. Es bedeutet, den nächsten Schritt sichtbar zu machen, wenn es eine Aktion gibt, die die Besucherin ausführen sollte.
6. Formulare und Interaktionen: wie einfach lässt sich eine Aktion abschliessen?
Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Interaktionen. Ein Kontaktformular zum Beispiel mag banal erscheinen, aber jedes zusätzliche Feld bedeutet Aufwand für die Besucherin.
Dasselbe gilt für Checkout, Registrierungen, Konfiguratoren, Angebotsanfragen und andere interaktive Wege.
Ein guter Audit prüft auch, was passiert, wenn die Besucherin:
- eine Angabe eingibt;
- einen Fehler macht;
- eine Aktion korrekt abschliesst;
- auf eine Antwort warten muss;
- zurückgeht;
- die Webseite von einem anderen Gerät aus nutzt.
Eine wirksame Benutzeroberfläche lässt die Besucherin nicht ohne Hinweise: Jede Aktion sollte ein klares Feedback geben.
7. Mobile: funktioniert die Webseite wirklich auch auf dem Smartphone?
Ein responsives Design bedeutet nicht einfach, eine Desktop-Seite zu verkleinern, um sie an einen kleineren Bildschirm anzupassen. Auf dem Mobilgerät ändern sich Grössen, Proportionen und die Art der Interaktion.
Menüs, Buttons, Felder, Bilder, Texte und Inhalte müssen überdacht werden, damit sie weiterhin leicht nutzbar bleiben.
Ein UX/UI-Audit muss deshalb auch berücksichtigen:
- Grösse der klickbaren Bereiche;
- Lesbarkeit der Texte;
- Navigation;
- Anordnung der Inhalte;
- Verhalten der interaktiven Elemente;
- mögliche Überlappungen oder Layout-Probleme.
Das Ziel ist, unabhängig vom genutzten Gerät eine konsistente Erfahrung zu bieten.
8. Barrierefreiheit: ist die Webseite für alle nutzbar?
Die Nutzererfahrung sollte nicht nur für einen einzigen Besuchertyp konzipiert werden.
Kontrast, Textgrösse, Inhaltsstruktur, Farbeinsatz, interaktive Elemente und Klarheit der Informationen sind alles Aspekte, die die Barrierefreiheit beeinflussen können.
Eine zugänglichere Benutzeroberfläche zu gestalten bedeutet oft, auch eine für alle klarere Benutzeroberfläche zu gestalten.
Ein UX/UI-Audit dient nicht dazu, Fehler zu suchen: Er dient dazu, Chancen zu finden
Das Ziel einer UX/UI-Analyse sollte nicht sein, eine lange Liste von Problemen zu erstellen. Der eigentlich nützliche Teil ist zu verstehen, welche Probleme die grösste Wirkung haben und welche Massnahmen Priorität haben sollten.
Ein Problem, das verhindert, eine Kontaktanfrage abzuschliessen, hat wahrscheinlich ein anderes Gewicht als eine kleine grafische Unstimmigkeit.
Deshalb ist es wichtig, zwischen kritischen Problemen und Verbesserungen zu unterscheiden und dabei ihre Auswirkung auf die Erfahrung und die Ziele der Webseite zu berücksichtigen.
Deine Webseite könnte einfacher sein, als du denkst
Nicht immer muss eine Webseite komplett neu gestaltet werden. Manchmal reichen gezielte Massnahmen: eine klarere Navigation, eine bessere visuelle Hierarchie, besser lesbare Texte, wirksamere Call-to-Actions oder ein einfacherer Nutzerweg können die Erfahrung deutlich verändern.
Der erste Schritt ist jedoch, zu verstehen, wo man ansetzen sollte.
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