Die Schweizerische Post: Ist eine Partnerschaft eine mögliche Lösung?

Die Schliessung vieler Poststellen ist für die Gemeinden eine grosse Herausforderung, besonders in ländlichen und abgelegenen Gebieten. Eine interessante Lösung könnten gerade Partnerschaften zwischen der Schweizerischen Post und lokalen Unternehmen sein, mit dem Ziel, die wichtigsten Postdienstleistungen vor Ort zu erhalten.
Partnerschaftsmodell: Postschalter in lokalen Geschäften
Eine der vielversprechendsten Lösungen könnte darin bestehen, kleine „Corner“ oder Postschalter in Lebensmittelgeschäften, Apotheken, Cafés oder Supermärkten einzurichten. Dieses Modell hat sich in verschiedenen Ländern bereits bewährt: Lokale Geschäfte haben die Postdienstleistungen übernommen, sodass die Bevölkerung weiterhin grundlegende Dinge erledigen kann, etwa Pakete und Briefe versenden und empfangen, Einzahlungen tätigen und anderes mehr.
In einer kleinen Ortschaft könnte zum Beispiel ein Lebensmittelgeschäft dank einer Partnerschaft mit der Schweizerischen Post eine Ecke des Ladens für Postdienstleistungen reservieren. Das Geschäft würde so von mehr Kundschaft profitieren, von der viele beim Gang zur Post auch gleich einkaufen könnten, und die Bevölkerung hätte Zugang zu den wichtigsten Postdienstleistungen, ohne weit fahren zu müssen.
Partnerschaften mit Tankstellen
Tankstellen haben oft auch zu Zeiten geöffnet, in denen normale Poststellen geschlossen sind, und könnten zu strategischen Standorten für die Grunddienstleistungen der Schweizerischen Post werden. Eine solche Zusammenarbeit könnte einen Bereich der Tankstelle für die Annahme und Abholung von Paketen vorsehen. Für die Bevölkerung würde das vieles erleichtern, weil sie ihre Sendungen zu flexibleren Zeiten erledigen könnte. Dieses Modell ist besonders in ländlichen Gebieten nützlich, wo Tankstellen oft ein wichtiger Treffpunkt für die Gemeinde sind.
Zusammenarbeit mit Bibliotheken oder Gemeinschaftsräumen
Eine weitere Möglichkeit ist eine Partnerschaft mit Bibliotheken oder anderen Gemeinschaftsräumen. Dort könnte die Schweizerische Post Automaten oder Terminals für die Abholung und Aufgabe von Paketen aufstellen und so eine Dienstleistung anbieten, für die kein eigenes Personal nötig ist. Bibliotheken zum Beispiel werden von der Bevölkerung regelmässig besucht und wären eine ideale Lösung, um in dünner besiedelten Gebieten einen erreichbaren Postpunkt zu erhalten.
Abhol- und Aufgabestellen in Cafés oder anderen Treffpunkten
In städtischen Gebieten könnten Cafés und lokale Geschäfte zu Abholstellen für Briefe und Pakete werden. Die Kundschaft könnte einen Kaffee oder ein Mittagessen bestellen, während sie ihre Pakete abholt, und so entstehen Synergien zwischen der Postdienstleistung und dem lokalen Geschäft. Diese Lösung stärkt die Verbindung zwischen der Bevölkerung und den lokalen Unternehmen und hilft den Geschäften, ihre Kundschaft zu binden.
Vorteile einer Partnerschaft zwischen der Schweizerischen Post und lokalen Unternehmen
- Kontinuität der Dienstleistung: Die Bevölkerung hätte weiterhin Zugang zu den wichtigsten Postdienstleistungen, ohne weite Wege auf sich nehmen zu müssen, vor allem in schlechter erschlossenen Gebieten.
- Tiefere Kosten: Mit der Schliessung eigenständiger Poststellen könnte die Schweizerische Post ihre Betriebskosten senken und die Grunddienstleistungen trotzdem an strategischen, bereits gut besuchten Orten anbieten.
- Mehr Kundschaft für lokale Geschäfte: Partnerunternehmen und -geschäfte hätten dank des neuen Dienstleistungsangebots mehr Laufkundschaft.
- Flexiblere Öffnungszeiten: Werden die Postdienstleistungen in Geschäfte mit längeren Öffnungszeiten integriert, kann die Bevölkerung sie über einen grösseren Teil des Tages nutzen.
Vorteile für Partnerunternehmen der Schweizerischen Post
1. Mehr Laufkundschaft
Ein Post-Corner oder Postschalter im eigenen Geschäft zieht Menschen an, die neben den Postdienstleistungen auch zu Kundinnen und Kunden des Unternehmens werden können. Wer zum Beispiel ein Paket abholt, kauft vielleicht gleich etwas ein oder nutzt eine andere Dienstleistung des Geschäfts. Diese Synergie ist besonders für Detailhändler, Lebensmittelgeschäfte, Cafés und Apotheken interessant.
2. Mehrwert und Abgrenzung
Wer seiner Kundschaft Postdienstleistungen anbietet, kann den wahrgenommenen Wert seines Geschäfts steigern und wird zu einem Anlaufpunkt für die Gemeinde. In einer Gegend, in der das Postangebot eingeschränkt ist oder ganz fehlt, wird das Partnergeschäft der Post attraktiver als Mitbewerber, die diesen Mehrwert nicht bieten.
3. Möglichkeit zusätzlicher Einnahmen
Die Schweizerische Post könnte für die Abwicklung der Postdienstleistungen (etwa die Annahme und Abgabe von Paketen) eine Vergütung zahlen. Das könnte für das Partnerunternehmen eine zusätzliche Einnahmequelle sein, besonders wenn es die Dienstleistung ohne einen starken Anstieg der Betriebskosten bewältigen kann.
4. Kundenbindung
Ein Postpunkt trägt zur Kundenbindung bei, weil er eine bequeme Dienstleistung bietet, die die Bevölkerung schätzen wird. Wer regelmässig wegen der Post vorbeikommt, kehrt zum Beispiel eher auch für die anderen Angebote des Geschäfts zurück. Diese engere Beziehung zur Gemeinde hilft, langfristig eine treue Kundschaft aufzubauen.
5. Chancen für lokales Marketing
Die Partnerschaft mit der Schweizerischen Post kann auch zusätzliche Sichtbarkeit bringen. Die Post selbst könnte die neuen Servicestellen bekannt machen und damit auf das Partnergeschäft aufmerksam machen. Ausserdem kann das Unternehmen diese Gelegenheit für lokales Marketing nutzen, um neue Kundschaft zu gewinnen und bei Menschen bekannt zu werden, die das Geschäft bisher nicht regelmässig besuchen.
6. Bessere Nutzung der Flächen
Viele Geschäfte haben Flächen, die sich besser nutzen liessen, besonders in ruhigeren Stunden. Ein Post-Corner erlaubt es, diese Flächen sinnvoll zu nutzen und das Geschäft produktiver zu machen, ohne grosse bauliche Investitionen.
Mögliche Nachteile
Natürlich gibt es auch einige Punkte zu bedenken:
- Logistischer Aufwand: Ein Post-Corner braucht Aufmerksamkeit und geschultes Personal für diese Dienstleistungen.
- Andrang: Viele Kundinnen und Kunden für die Postdienstleistungen könnten das Geschäft überfüllen und den normalen Kundenfluss behindern.
- Zusätzliche Kosten: Wenn die Postdienstleistung eine aufwendige Organisation oder zusätzliches Personal erfordert, können die Kosten steigen.
Fazit
Im Allgemeinen kann die Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Post, um der Gemeinde Dienstleistungen anzubieten, eine vorteilhafte Chance sein, gerade für kleine und mittlere Unternehmen. Diese Art von Partnerschaft hat das Potenzial, die Kundenfrequenz zu erhöhen, die Kundenbindung zu verbessern und die Verbindung zur Region zu stärken.


